Fügen St. Pankraz

Geschichtliches

Im Südwesten des Fügener Talbodens erhebt sich der Hügel, auf dem die spätgotische Wallfahrtskirche zum Hl. Pankratius steht. Sie ist die einzige Pankratius Kirche in Nordtirol und wird im Jahr 1338 erstmals urkundlich erwähnt: 21.12.1338 „Heinrich der Haitzenperger verkauft seine Leibeigenen an den Herrn sand Pangräcen.“ Am Hochaltar befindet sich die Kopfreliquie des Hl. Pankratius, die aus der Heilstumssammlung des Ritters Florian von Waldauf (Waldaufkapelle in Hall St. Nikolaus) stammt. Mit diese Reliquie trieb man früher die Mäuse auf den landwirtschaftlichen Feldern aus und „segnete alles“. Die jetzige Kirche wurde in den Jahren 1494 bis 1497 erbaut und in den Jahren 1520 – 1522 nach Westen hin erweitert. Die Kirche hatte eine besondere Beziehung zum Eisenhüttenwerk in Kleinboden und zum Ortsteil Kapfing. Sie war die Kirche der Angestellten, Arbeiter und Gewerkherren des Hüttenwerkes, welche auch wesentlich zur Ausstattung des Gotteshauses beigetragen haben. Die Kapfinger lieferten das Oblatbrot an die „Berger-Kirche“ und stellten einen der beiden Kirchenpröbste. Zur Beerdigung eines Kapfingers, eines Kleinbodeners und eines Verstorbenen aus der Fraktion Pankrazberg läutet heute noch eine Glocke von St. Pankraz.

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Kircheninneres

Der Hauptaltar und die beiden Seitenaltäre sind im Renaissancestil gestaltet und stammen vom Brixlegger Bildhauer Michael Mayr. Am Hauptaltar findet sich die Darstellung des Hl. Pankratius und zweier Kirchenväter (1698). Am linken Seitenaltar steht St. Silvester (um 1500) und am rechten Seitenaltar St. Ulrich (um 1500), dieser stammt ursprünglich aus der Pfarrkirche. Am rückwärtigen Seitenaltar sind der Hl. Josef im Oberbild und die Bergwerksheilige St. Barbara, sowie St. Notburga und St. Isidor dargestellt. Die Figuren wurden vom Fügener Bildhauer Franz Xaver Nissl um 1770 geschnitzt.

In der Kirche ist die Weihnachtskrippe von Andreas Schmid aus Kleinboden  (1763) ganzjährig ausgestellt. Den Hintergrund schuf die Fügener Künstlerin Maria Spindlegger. Die Figuren sind gekleidet, wobei die Hl. Familie in klassischen Gewändern dargestellt ist, die Hl. Drei Könige in Prunkgewändern und die Hirten und Mägde in Zillertaler bzw. Tiroler Tracht.

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In St. Pankraz hängt eine mächtige Wetterglocke mit der Inschrift: „Pankraz hoaß i, alle Wetter woas i und wenn se mi ziachn, alle Wetter fliachn!“ Sie ist besonders bei den Bauern sehr geschätzt. Eine alte Geschichte sagt, dass die Wetterhexe vor Zorn in die große Glocke von St. Pankraz gebissen hat und den Ausspruch tat: „I wuchts a de fiegner Bäuerlein schon machen, wenn die drei Hund nit a so belln tatn – Pankraz ofn Bichl (St. Pankraz), Briec a der Lack (St. Brictius in Uderns) und Marie a der Gruabn (Maria Himmelfahrt in Fügen)!“ Der Abdruck ihrer Zähne ist heute noch auf der Glocke sichtbar.

Wetterglocke St. Pankraz 1582

Wetterglocke St. Pankraz 1582

Sie wurde im Jahr 1582 von Hans Christoph Löffler in Innsbruck gegossen, ist auf den Ton „Fis“ gestimmt und wiegt 880 kg. Diese Löffler-Glocke ist ein Schatz, der im Turm von St. Pankraz hängt.

Die zweite Glocke trägt die Inschrift: „HEINRICH REINHART ZU INSPRUGG GUS MICH IM 1604 – ZU GOTTES EHR UND DIENST GEHER ICH.“ Sie ist auf den Ton „h“ gestimmt und wiegt 500 kg.

Die kleinste Glocke goss Leonhard Franz Oberascher zu Salzburg. Diese wurde im Jahr 1947 zusammen mit den Glocken der Dekanatsparrkirche Fügen geliefert und ist auf den Ton „dis“ gestimmt. Sie wiegt 170 kg und ist dem Hl. Leonhard geweiht. Prof. Joseph Meßner, Fürstbischöflicher Domkapellmeister in Salzburg, welcher die Fügener Glocken im Jahr 1947  kollaudiert hat, schrieb über diese Glocke: „Die Glocke „dis“ ist einzigartig in ihrer Stimmung: sie weist in allen Intervallen -1/8 Ton auf, nur die Prim weicht um 1/2 Ton von der Gesamtstimmung ab.“

Glockenrechnung St. Pankraz von Christoph Löffler

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St. Pankraz ist eine der beliebtesten Hochzeitskirchen der Umgebung geworden. Vor allem ist der „Berger Bichl“ aber auch ein sehr schöner Aussichtspunkt auf die Zillertaler Bergwelt, die Wiesen und Felder im Talboden, den neuen Golfplatz und ein Ort der Ruhe. Im daneben gelegenen Gasthof St. Pankraz kann sich der Besucher auch noch „körperlich stärken“.

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(Quellennachweis: Pfarrarchiv Fügen; Fügen und Fügenberg, eine Häuser- und Höfegeschichte von Hans Maier, Schlernschriften 260)