Foto: Martin Berger, Schindeldecker

Bericht des Restaurators Gebhard Ganglberger aus Umhausen –  www.kirchenmaler.at, Zuständig für Fassade Turm und gesamtes Kirchenschiff:

Gotischer Bau mit Nordturm Urk. 1338. Heutiger Bau aus 2 Phasen: Chor und 3jochiges Langhaus von 1494-97. 1520-22 Langhaus nach Westen um 2 Joche verlängert. Fresko Westfassade Kreuzigung 1520-22.

Von der Erstfassung sind noch Reste einer roten Quaderung an den Ecken und roten Traufgesimse nachweisbar. Die nächste Fassung stammt vom der Verlängerung des Langhauses mit den gepunkteten Quadern.

Foto: Gebhard Ganglberger, Quader aus 1520-22

Dann folgt eine barocke Fassung, die wir nun wieder restauriert haben. Später erhielt die Kirchenfassade noch weitere Fassungen, die aber nur noch in Resten nachweisbar sind.

Foto: Pfarre Fügen

Die Fassade besitzt noch den bauzeitlichen Verputz, der in hervorragender Qualität die letzten 400-500 Jahre überstanden hat. Die in den 1990er Jahren durchgeführte letzte Restaurierung orientierte sich am Bestand und die Fassaden wurden in Kalktechnik gefärbelt. Diese wurde auch dieses Mal wieder durchgeführt, die Flächen in Kalk repariert und nach Befund gefärbelt. Die gelb-rote Architekturmalerei wurde teilweise erneuert wie auch an den geschützten Stellen lediglich retuschiert. Dieses Kalksystem ist hervorragend reparierfähig und hat sich über Jahrhunderte bewährt. Die einzelnen Arbeitsschritte waren: Abnahme salzbelasteter Sockelputze, Reinigung der Fassade, Abnahme u. Behandlung von Mikroorganismen, Putzausbesserungen, Neuputz des Sockels mit Kalkputz, fünfmaliges Streichen der Fassade mit reiner Kalkfarbe.

Foto: Martin Berger, Gerüst Westseite/Fresko

Ein weiterer Arbeitsschritt war die Restaurierung des Freskos an der Westfassade. Dieses zeigt bereits mehrere unterschiedliche Restaurierungen, die sich aber sehr gut halten. Mit der Abnahme einiger Übermalungen und diverser kleiner Kittungen wie Retuschen wurde die Oberfläche gereinigt und konserviert.  Mit der Anpassung und Renovierung des südseitigen Stiegenaufgangs wurden die Arbeiten abgeschlossen. Wir wünschen der Bevölkerung von Fügen und Fügenberg viel Freude mit ihrer neu renovierten Kirche St. Pankraz.

Auch die Pfarre bedankt sich bei Gebhard Ganglberger und seinem Team für eine hervorragende Arbeit, welche wir ja bereits von der Fassadenrenovierung am Widum kannten!

Gerüstebau Schiestl hat dafür gesorgt, dass Gebhard Ganglberger und sein Team auch überall hingekommen sind.

Wie alles begann

Im Jahr 2017 stellte Hannes Mauracher, Gemeindeangestellter in Fügenberg, fest, dass das Turmkreuz sich geneigt hat. Nach einem Drohnenflug konnte man feststellen, dass die Spitze faul ist und die Turmkugel eine Reihe von Einschusslöchern  aufweist. Der in unserem Seelsorgeraum bereits schon oft beauftragte und von uns sehr geschätzte Schindeldecker, Martin Berger aus Osttirol / Wildschönau, hat sich die Sache dann vor Ort angesehen und musste Schreckliches feststellen. Die gesamte hölzerne Turmspitze war verfault, da durch die Einschusslöcher in der Turmkugel, langsam aber stetig, Wasser eingetreten ist. Und das alles, weil irgend ein Gewehrbesitzer „Jagd auf eine Turmkugel“ gemacht hat. Dass dieser Mensch einen Schaden in der Höhe von fast € 80.000,00 mit seinem Leichtsinn verursacht hat, steht auf einem anderen Blatt – zudem sollte jeder, neben dem materiellen Wert, auch die religiösen Gefühle von denen zu beachten haben, die ein Kirchengebäude schon noch anders bewerten und keiner darauf zu schießen hat. „Un-glaublich“ einfach!

Nach Einschalten des Denkmalamtes und des diözesanen Bauamtes wurden die Schäden begutachtet und Angebote eingeholt. Beauftragt wurden die folgenden Firmen: Martin Berger, Schindeldecker; Gebhard Ganglberger, Restaurator; Firma Unterrainer, Kunstschmiede, Brixen im Thale;

Bericht des Schindeldeckers Martin Berger, aus Osttirol, martin@berg-er.at

Martin Bergerbeauftragt mit der kompletten Erneuerung der Turmspitze, der Schindeleindeckung des gesamten Turmes mit Färbelung desselben, Schindeleindeckung des kleiner westseitigen Turmes über dem Fresko, Erneuerung der Kupferdachrinne nördliches Kirchenschiff, Abnahme und Aufsetzen der Turmkugel mit Kreuz und Wetterhahn

Schmied Unterrainer, Brixen im Thale, aus dem Team v. Berger: Anfertigung eines Unterbaues der Kirchturmspitze – diesmal aus Stahl – Kreuz u. Kugel restaurieren, Schusslöcher schließen, Kugel u. Wetterhahn komplett neu vergolden, Kreuz lackieren, Jahreszahlen am Turm restaurieren u. ergänzen, 7 kl. Kugeln restaurieren

Peter Klingler, Spengler, ebenfalls aus dem Team von Martin Berger, hat die Spenglerarbeiten ausgeführt.

Peter Klingler / Foto: Martin Berger

Martin Berger antwortete auf die Frage, was nun die schwierigsten Punkte bei seinen Arbeiten in St. Pankraz gewesen seien:

“ Die Abnahme und das Aufsetzen des Turmschmuckes (Kugel, Kreuz, Hahn) sind demnach immer  – auch witterungsbedingt – etwas diffizil. Das Schwierigste sei jedoch nach Martin Berger, die Akzeptanz als gute Fachkraft, im eigenen Land bei den Behörden und Einrichtungen, welche bei der Vergabe das Sagen haben! Lieber Martin, dazu können wir nur sagen: Du bis die beste FACHKRAFT, dir wir uns für diese Aufgabe wünschen konnten! Danke für Deine gute Arbeit!

Es wurde neben dem Turm und der Außenfassade aber auch die kleine Sakristei renoviert!

Begonnen wurde mit einer Kernbohrung durch die Fa. Tipotsch in der westlichen Turmmauer, um endlich Fließwasser in der Sakristei zu haben.

Fa. Installationen Baumann – die einen Teil der Arbeiten übrigens als ihren Spendenbeitrag für dieses Kleinod spendiert hat, hat für alle Wasserzu- und Abläufe gesorgt und auch das von der Gemeinde Fügenberg zur Verfügung gestellte Wirtschaftswaschbecken angeschlossen. Vergeltsgott!!!

Elektro Flörl hat die Stromleitungen entsprechend verlegt, für einen Starkstromanschluss gesorgt und vieles praktischer eingerichtet, als es bisher war!

Die Firma Haun hat uns den Graben für die Elektroleitungen nach außen ausgehoben, damit die Schafe, Ziegen und Pferde am Berger Bichl, dort bleiben, wo sie sein sollen.

die kl. Sakristei / Foto: Melanie Wetscher

Schließlich hat Restaurator Ganglberger noch für einen neuen Anstrich gesorgt und vor allem, wurde ein Schrankverbau von unserem Orgelbauer Christian Erler, in Absprache mit dem Denkmalamt, gefertigt. Jetzt sind ein unschöner Sicherungskasten und das Waschbecken verdeckt und wir haben endlich einen Kasten für die Mess- und Ministrantengewänder. Die alten Sakristeimöbel sind alle geblieben, nur anders aufgestellt worden.     St. Pankraz soll ja kein Museum sein, sondern eine Kirche, die lebt, also benutzt wird!

Danke ALLEN, die da mitgearbeitet haben!


Nun noch zu einem Thema, das uns neben der ganzen Schönheit der neu renovierten Wallfahrtskirche auch Magenschmerzen macht! Sie können es sich denken, es sind die Kosten, welche durch allerlei zusätzliche und nicht aufschiebbare Arbeiten, bei weitem höher ausgefallen sind als ursprünglich geplant. (Fresko Westseite mit Schindeldeckung, Dachrinnen, Mauerwerk Aufgang, verlängerte Einrüstzeit etc.). Die Kosten der Turm- und Fassadenrenovierung belaufen sich auf gesamt € 147.000,– und jene für die Sakristei auf € 12.400,–.

Nach Abzug der Förderungen durch das Land, die Gedächtnisstiftung, das Denkmalamt und die Diözese bleiben immer noch € 122.300,– offen. Wir danken an dieser Stelle jenen, welche für St. Pankraz schon immer, bzw. wieder spenden! Auch geben wir der Hoffnung Ausdruck, dass sich neben der Gemeinde auch der Tourismusverband oder andere Institutionen und auch Private noch beteiligen werden.                                                               Hier auch ein Dank an jene, die bei Trauerfällen statt der Blumenspenden, auch z.B. an die Kirche St. Pankraz, die Pfarrkirche oder an das Marienberg Kirchl denken! Vergeltsgott!

Nachtrag: Vom Team unseres Adventmarktes hat die Kirche St. Pankraz eine Spende von € 14.000,00 für die Renovierung erhalten! DANKE!!!

Geläute der Kirche St. Pankraz von „alpen-glocke“